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Ach du dickes Ei! - Achtsamkeitsübung zu Ostern

 

Kurzbeschrieb

Achtsamkeitsübung mit einem hartgekochten Ei. Das Ganze wird eingebettet in die Osterbotschaft.

Organisatorisches

Material:

  • gekochte Eier pro TN

  • ggfs. Aromat oder Salz

  • Behälter für Schalen

  • evtl. Osterkerze

Sicherheit:

 

Vorbereitungen:

 

Bemerkungen:

 

Beschrieb

Ziel:

Die TN üben sich in Achtsamkeit und finden Ruhe im achtsamen Tun von Alltäglichem. Sie beschäftigen sich durch Transferfragen mit ihrem eigenen Leben. Sie vollziehen dadurch einen Perspektivwechel und können diesen in die Osterbotschaft einordnen.

Ablauf:

Alle TN erhalten ein festgekochtes Ei. Jede:r setzt sich an einen Ort im Raum, an dem er:sie sich wohlfühlt. Sie haben Aromat und Salz griffbereit. Die Osterkerze (optional) wird angezündet.

Leiter:in: „Manchmal geht im Leben alles so schnell und wird so alltäglich, dass wir vergessen, Dinge wirklich zu er-leben. Heute wollen wir etwas Alltägliches bewusst und in Achtsamkeit erleben. Das kann vielleicht lustig werden, weil es ungewohnt ist. Ich bitte euch, zu versuchen, die Ruhe mitzutragen und euch auf dieses Ereignis einzulassen.“

Leiter:in: „Atme zweimal bewusst und tief durch die Nase ein und durch den Mund aus.

Was hälst du in deiner Hand? Dreh es in deinen Händen. Ist es schwer? Ist es leicht? Ist es warm? Ist es kalt?

Streicht mit deinen Fingern über die Schale. Welche Textur hat sie? Ist sie glatt? Hat sie Buckel drin?

Halte dir das Ei ans Ohr und klopft vorsichtig daran. Wie hört es sich an?

Kratz mit euren Fingernägeln an der Oberfläche: Wie klingt es?

Riech an dem Ei: Wonach riecht es?

Schau dir das Ei an. Glänzt es? Ist es matt? Wie verlaufen die Farben?

Wie ist es mit dir? Wenn du auf dein Leben schaust... Ist es momentan leicht; oder schwer? Ist es momentan warm oder kalt? Was läuft momentan glatt? Wo gibt es Buckel in deinem Leben? Stören diese, oder gehören Sie dazu? Was ist der momentane Klang deines Lebens? Was klingt gerade? Welchen Geruch begleitet dich in dieser Lebensphase? Und deine „Schale“, deine Oberfläche, dein Äusseres? Glänzt sie? Oder ist sie matt? Welche Farbe erscheint vor deinem inneren Auge, wenn du an deinen jetzigen Lebensabschnitt denkst?

Frag dich: Woher kam das Ei? Unter welchen Umständen wurde es gelegt, verarbeitet, verpackt, geliefert, ausgesucht, gekauft, hier hin getragen... und jetzt, gleich gegessen?

Und welchen Weg beschreitest du gerade? Woher kommst du? Was hat dich geprägt? Wie bist du hierher gekommen? Wohin willst du? Wohin gehst du?

Schau dir die Form an. Welche Form hat es? Ist es Rund? Ist es Oval? Oder ist es... Ei-Förmig? Ist das Ei so einzigartig, dass seine Form nach ihm selbst benannt wurde? Und du? Was ist deine Form? Was sind deine positiven wie negativen Ei-genschaften? Wo bist du Ei-nzigartig? Was macht dich Ei-nzigartig?

Nun stell dir vor, du würdest gegen jemand Eiertütschen. Wie hälst du das Ei? Warum hälst du es so? Weil das Ei dort am stärksten ist? Weil du das andere Ei besiegen willst? Weil du gewinnen willst? Wie hälst du es in deiner Hand? Sind deine Muskeln angespannt?

Wann gehst du in den Angriff über? Wo im Leben möchtest du gewinnen? Wo sind deine Stärken, die du in solchen Momenten hervorholst? Worauf davon bist du stolz? Was davon ist dir möglicherweise gar nicht so lieb?

Nun nimm das Ei wieder in die Hand. Versuche an einer Stelle, ganz vorsichtig, mit dem Finger die Schale einzudrücken. Was ist passiert? Hat es geklappt? War es schwerer als gedacht? Oder leichter? Bist du überrascht? Schau dir die eingedrückte Stelle an. Ist sie so gross wie intendiert? Oder grösser oder kleiner? Hast du vielleicht mehr „Schaden“ angerichtet, als du wolltest? Ist dir sowas ähnliches schon mal im Leben passiert? Vielleicht mit dir selbst? Oder mit deinen Mitmenschen?

Schau dir die Bruchstelle an. Sie ist nun die Schwachstelle des Eis. Wo fühlst du vielleicht ähnliche Schwachstellen? Gibt es Orte in dir, die sich ähnlich anfühlen? Ist das schlimm? Oder ist es nicht auch irgendwie... schön? Wo fühlst du dich... verwundet? Ist das nur eine Schwäche? Oder vielleicht auch das Potential für eine Stärke?

Nun versuche, das Ei ganz vorsichtig zu schälen. Welche Schichten gibt es? Da ist die Schale, darunter das feine Häutchen, und dann das Ei selbst... nimm dir Zeit, dies bewusst zu machen. Befühle die Schale von innen. Befühle das Häutchen. Ziehe es langsam vom Ei ab.

Nun schau dir das Ei an. Hat es noch dieselbe Form? Ist eine Stelle eingedrückt? Ist es nur weiss, oder sieht man auch irgendwo das Eigelb? Hat es Risse? Ist es glitschig? Ist es hart oder weich? Riech daran. Riecht es noch gleich wie vorher? Und nun: Beisse oben die Spitze ab – so dass du nur vom Eiweiss probierst. Kaue langsam. Schmecke: Wie schmeckt es? Wie fühlt es sich im Mund an?

Nimm noch einen Bissen – so, dass auch vom Eigelb was dabei ist. Wie schmeckt das? Ist es anders? Wie ist die Textur?

Wenn du magst, nimm noch einen Bissen. Du kannst auch Aromat oder Salz darüberstreuen, wenn du das magst. Achte darauf: Wie verändert sich der Geschmack?

Gerne kannst du nun das Ei langsam aufessen.

Ein Ei zu essen ist für viele etwas ganz Alltägliches. Doch wie hat sich das hier angefühlt? Hast du jemals zuvor etwas in einer solchen Achtsamkeit für die Details verspeist? War das etwas Neues für dich? Hast du... eine andere Perspektive eingenommen? Was haben die Fragen zu deinem Leben in dir ausgelöst?

 

Ostern

Zu Ostern sind Eier, der Osterhase und Küken in allen Schaufenstern und in fast allen Heimdekorationen zu sehen. Habt ihr euch schon gefragt, warum?

Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi. Jesus Christus, im Christentum der menschgewordene Gott, also der Gott, der sich uns ebenbürtig machte, stirbt in Jerusalem den erniedrigenden Tod eines politischen Aufrührers: Er wird gekreuzigt. Gott stirbt. Alles ist aus. Die Jüngerinnen und Jünger sehen alles, woran sie geglaubt haben, in Scherben. Alles ist vorbei. Alles war sinnlos. Das ist das Gefühl vom Karfreitag. Das Ganze nimmt das menschliche Erleben in sich mit auf. Manchmal haben auch wir das Gefühl, dass in unserem Leben alles fertig ist. Dass alles sinnlos war. Dass alles in Scherben liegt.

Doch das Christentum hat ein Versprechen bereit: Eine Perspektive. Versinnbildlicht – und für Christ:innen wirklich geschehen – in der Auferstehung von Jesus Christus. Christus aufersteht von den Toten, und überwindet so die grösste Schwelle in unserem Leben: den Tod, die Sinnlosigkeit, das „Aus“. Das alles ist überwunden. Dieses Ereignis, Ostern, will heissen: Auch im schlimmsten Leid, auch im äussersten Schrecken, auch in der tiefsten Sinnlosigkeit... ist Hoffnung. Geschieht Verwandlung ins Gute, und Lebendige. Es existiert kein Dunkel, was nicht von einem Licht erhellt werden kann. (verweis auf die Osterkerze).

Und so wurde das Ei, das harte, kalkige, tot wirkende Ding, für die Christ:innen zu einem Symbol für die Auferstehung. In ihm liegt das Leben. „Und wie das Küken aus dem Ei gekrochen, hat Christus das Grab zerbrochen“, lautet ein Sprichwort.

Was sich mit Ostern vollzieht, ist eigentlich ein grosser Perspektivwechel: Was, was wir bisher als schlecht und als defintiv unveränderlich angenommen haben, wird aufgehoben ins Gute. Das, was wir tot geglaubt, wird lebendig. Ich lade euch ein, diesen Perspektivwechsel – ob nun christlich oder nicht – in euer Leben miteinzubeziehen: Gutes ist da. Leben verbirgt sich im Tod. Licht ist in jedem Dunkel. Und wenn im Alltag alles schnell und laut und nicht bewusst geschieht, wenn wiedermal alles drunter und drüber geht... dann setz dich hin, und iss bewusst, langsam und achtsam ein hartgekochtes Ei. Es wird deine Perspektive verändern.