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Sexuelle Grenzverletzungen unter Kinder und Jugendlichen
Von der sexuellen Ausbeutung zu unterscheiden sind sexuelle Grenzverletzungen unter Minderjährigen. Während die sexuelle Ausbeutung durch Erwachsene immer bewusst, manipulativ und strategisch aufgebaut ist, zeichnet sich rund um sexuelle Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen ein differenziertes Bild ab. Strafunmündige Kinder (bis 10 Jahre), aber auch Jugendliche, verfügen nicht über die vertieften Strategien und das Verantwortungsbewusstsein von Erwachsenen. Statt einem strategischen Aufbau unterliegen sexuelle Grenzverletzungen durch Kinder und Jugendliche manchmal Eskalations- und Gruppendynamiken und geschehen auch ausserhalb grosser Macht- oder Abhängigkeitsgefälle.
Formen sexueller Grenzverletzungen
Die Bandbreite der Schweregrade sexueller Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen ist gross – und sollte in keinem Fall bagatellisiert werden. Wichtig ist die genaue Unterscheidung zwischen alterstypischem Experimentier- und Testverhalten und sexuellen Grenzverletzungen. Ein neugieriges gegenseitiges Entdecken gehört zur gesunden sexuellen Entwicklung des Menschen. Dabei kann es zu einmaligen «Grenzverletzungen im Überschwang» kommen. Sexuelle Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen können auch eine Wiederholung von eigenen Ausbeutungserlebnissen durch Erwachsene sein und sich als Teil eines «traumatischen Spiels» äussern.
Tätliche oder übergriffige Kinder und Jugendliche
Unter Kinder und Jugendlichen sprechen wir aufgrund anderer Dynamiken und dem eingeschränkten Verantwortungsbewusstsein nicht von Täter und Täterinnen, sondern von tätlichen oder übergriffigen Kindern und Jugendlichen. Denn bei diesen sind die Muster noch nicht verhärtet, sie lassen sich noch aufbrechen und bewegen. Trotzdem dürfen sexuelle Grenzverletzungen keinesfalls bagatellisiert werden. Ab 10 Jahren sind auch Kinder/Jugendliche zu strafbaren Handlungen fähig. Je älter zudem die übergriffigen Jugendlichen sind und je grösser das Machtgefälle zum betroffenen Kind ist, desto stärker ähnelt die Dynamik jener von Erwachsenen. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Altersunterschied von 3 Jahren zentral (vergleiche im Schweizerischen Strafgesetzbuch Art. 187).
Folgen
Einmalige Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen haben in der Regel weniger traumatische Folgen als sexuelle Ausbeutung durch Erwachsene, es sei denn, sie halten ebenfalls über einen langen Zeitraum an und werden von Erwachsenen entweder nicht ernst- oder überhaupt wahrgenommen. Die erlebte Ohnmacht und die Ausweglosigkeit bei sexueller Ausbeutung sind damit tiefgreifender. Entscheidend für die Folgen aller Beteiligten ist, wie die Erwachsenen (Leitenden) nach einer Grenzverletzung reagieren.
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