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Fallbeispiele Öffnung und Vielfalt

Unter «Öffnung» verstehen wir einen Prozess, welcher reflektiert und zielgerichtet geschieht. Die nachfolgenden Fallbeispiele sollen auch sensibilisieren für mögliche Herausforderungen. Diese können sich ereignen, wenn sich eure Schar öffnet und ihr eure Werte, Normen und Regeln “lockert“.

Wichtig zu wissen ist: «Die Toleranz aller Beteiligten, für andere Ansichten/Betrachtungsweisen muss da sein.» Durch das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen kann Integration passieren sowie Inklusion stattfinden. Eine «Jubla für Alle» bei der auch wirklich alle mitmachen/mitgestalten dürfen wird möglich.

Durch die gemeinsame Aktivität rücken Unterschiede in den Hintergrund und alle Kinder und Jugendlichen kommen miteinander in Kontakt.


Für die Struktur wird das unendlich grosse Themenfeld «Öffnung» in drei Schwerpunkt-Themen unterteilt. Falls du weitere Fallbeispiele kennst, dann darfst du diese gerne an oeffnung@jubla.ch senden.

Diese Fallbeispiele sollen helfen, dass das Thema Vielfalt/Öffnung im Kurs zum Thema wird, in verschiedene Blöcke einfliessen kann. Ergänzend steht der Beispielblock Vielfalt leben zur Verfügung.

LGBT+, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung

Vom Jubla-Buben zur Jubla-Frau

Louis ist eben Leiter geworden, er wurde als Kind oft gehänselt, da er bei gewissen Spielen nicht so hart reinging, wie andere Jungs. Im Sommerlager, zu später Stunde am Lagerfeuer berichtet er davon, dass er sich nicht wohl fühlt in seinem Männerkörper. Er schon als Kind gerne die Kleider seiner Mutter angezogen hat und viel mehr sich selbst sein kann, wenn er «wie eine Frau aussieht», er wünscht sich, dass die Leute ihn mit Louise ansprechen.

Mögliche Herausforderungen, die entstehen können

  • Eltern, die komische Fragen dazustellen, dass Louis nun Louise ist.

  • Kinder und Leitungspersonen, die es vermeiden, mit Louis(e) zu reden, da ihnen die Worte fehlen.

Tipp: Versucht bei Spielen und Aktivitäten, aber auch sonst generell zu vermeiden, typische Mädchen und typische Knaben Verhaltensweisen zu benennen.

Redet im Leitungsteam darüber, mit welchen Pronomen jemand angesprochen werden will (er/sie/es). Versucht miteinander eine Sprache zu finden, welche als Mittelweg funktionieren kann (sich niemand diskriminiert fühlt, sich jedoch auch niemand total verbiegen muss).


Witze über Homosexualität

Das Leitungsteam macht sich lustig über Schwule und Lesben, bei Witzen auf Kosten von Homosexuellen wird besonders laut gelacht.

Tipp: Jegliche Witze über Gruppen von Menschen wirken diskriminierend. Bei uns in der Jubla zählen Gemeinsamkeiten und nicht Unterschiede. Unabhängig davon, ob in der Schar eine Person dabei ist, welche wissend oder unwissend der Gruppe von Menschen angehört, über die gerade Witze gemacht wird.


Beeinträchtigung, Behinderung

Kind mit Behinderung will in das Sommerlager mitkommen

Sara ist Mitglied der Jubla, sie hat einen Bruder der die heilpädagogische Schule besucht, er würde schüüli gerne in das Sommerlager mitkommen.

Mögliche Herausforderungen, die entstehen können:

  • Leitungspersonen haben Angst davor, dass das eventuell unkontrollierbare Verhalten des Knaben sie überfordert

  • Befürchtungen darüber sind vorhanden, dass für dieses eine Kind eine 1:1 Betreuung stattfinden muss

Tipp: Sucht unbedingt das Gespräch mit den Eltern des Knaben und lasst euch erzählen, was er braucht. Benennt in diesem Gespräch auch eure Unsicherheiten. Versucht gemeinsam eine Möglichkeit zu finden. Getraut euch aber auch, zu sagen, dass es nicht geht.


Interkulturalität

Kinder mit Migrations-Hintergrund

Isamel kommt am Jubla-Tag, zusammen mit Manuel, in die Gruppenstunde. Beim Geländespiel versteckt er sich hinter dem Baum. Auch hat er keine Regenjacke dabei und seine Turnschuhe eignen sich auch nicht wirklich für diese Aktivität.

Mögliche Themen, die für Ismael schwierig sind:

  • Er hat erlebt, dass ihm Erwachsene nachgerannt sind, damals im Krieg. Er weiss nicht dass dies im Geländespiel zum Spiel gehört.

Tipp: Bei der Erklärung zum Geländespiel auch erklären, wieso etwas gemacht wird. Die Erklärung nicht nur an Isamel richten (er könnte sich sonst blossgestellt vorkommen)

  • Die Familien von Ismael ist sich nicht gewöhnt, dass Kinder draussen frei spielen dürfen und auch sollen. Ismael besitzt weder Regenjacke noch Wanderschuhe.

Tipp: In der Schar alle Kinder bitten, dass sie Kleidungsstücke, sowie Schuhe, welche ihnen zu klein sind in die Gruppenstunde mitbringen. Bei Aktivitäten können weniger gut ausgerüstete Kinder sich dann da bedienen.


Andere Kulturen

Bei euch im Dorf entstand ein neues Quartier. Du als Scharleiter*in siehst jeweils viele Kinder, welche auf der Strasse rumsitzen und mit ihrem Smartphone spielen. Am Höck diskutiert ihr darüber, dass euch diese Kinder eventuell helfen können, damit sich eure Schar vergrössert.

Mögliche Herausforderungen, die entstehen können:

  • Die Eltern erlauben ihren Kindern nicht in die Jubla zu kommen.

Tipp: Fragt die Eltern welche Sprache sie sprechen und versucht über euer Netzwerk Personen zu finden, welche diese Sprache ebenso sprechen. Vermutlich wissen und verstehen diese Eltern gar nicht, was die Jubla macht und was ihr Kind dort erleben kann.

  • Einige Leitungspersonen haben keine Lust darauf, dass fremde/andere Kinder in die Jubla kommen.

Tipp: Nehmt euch Zeit und sprecht über die Befürchtungen, aber auch über die Chancen, welche sich bieten können. Vielleicht gibt es bei euch im Dorf eine Integrationsgruppe, welche euch beraten kann?


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