Aktivität zum Tag der Demokratie (11 - 14 J.)

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Aktivität zum Tag der Demokratie (11 - 14 J.)

Aktivität zum Tag der Demokratie (11 - 14 J.)

Zeit

1,5 - 3 h

Alter

11 - 14

Material

  • Pro Geländespielgruppe ein Abstimmungszettel für die Versammlung

  • Packpapier und Edding-Stifte, um die Abstimmungsergebnisse aufzusuchen

  • + siehe beim jeweiligen Postenbeschrieb

Ort

draussen

Anzahl Leitende

mind. 6-8

Kontakt

Dies ist eine Aktionsidee vom Campus Demokratie und der SAJV anlässlich des Tags der Demokratie.

 

Darum geht’s
In einem Spiel, in dem möglichst viele Teilnehmende zu Wort kommen, sammeln die Teilnehmenden spielerisch Erfahrung mit demokratischen Meinungsbildungsprozessen und der Funktionsweise des schweizerischen konsensdemokratischen Systems.

Ausgangslage
Die Teilnehmenden werden in gleich grosse Gruppen à 3-6 Personen aufgeteilt. Die Spielleitung stellt ein Problem und einen Lösungsvorschlag dafür vor. Jede Gruppe erhält ein Ziel zugeteilt (z.B. ihr wollt einen schönen Pausenplatz haben) und einigt sich auf eine Meinung zum vorgegebenen Lösungsvorschlag und eventuell auf einen eigenen Vorschlag.

Ziel des Spiels
Das Ziel der Gruppe ist, dass am Schluss des Spiels eine Lösung beschlossen wird, die für die eigene Gruppe stimmt. Es kann sein, dass am Schluss alle mit der Lösung zufrieden sind oder auch nicht.

Spielprinzip
In einem Postenlauf können die Gruppen sich Machtpunkte erspielen. Nach dem Postenlauf ist Versammlung. Alle Gruppen kommen zusammen. Für die Versammlung werden neu gemischte Gruppen gebildet (in jeder Versammlungsgruppe ist möglichst eine Person aus jeder Geländespielgruppe). Die neu gemischten Versammlungsgruppen versuchen, eine Lösung für das Szenario zu suchen, die mehrheitsfähig ist. Sie haben dafür 10-15 Minuten Zeit. Dann wird in den ursprünglichen Geländespielgruppen über die Lösung abgestimmt. Jede Gruppe hat in der Abstimmung so viel Stimmrecht, wie sie Machtpunkte haben. Wenn in der Abstimmung keine Lösung genügend Machtpunkte erhält, so gibt es eine nächste Versammlung. Die Idee ist, dass es vielleicht sogar drei oder vier Versammlungen und dabei eventuell auch Absprachen der Gruppen untereinander braucht, bis eine Versammlungsgruppe eine wirklich mehrheitsfähige Lösung findet.

Vorbereitungen
Folgende Dinge sollten vor der Aktivität erledigt werden:

  • Entscheidet euch für eines der beiden Probleme (1 oder 2).

  • Entscheidet, wie viele und welche Posten ihr in den Postenlauf einbaut.

  • Organisiert alles Material für die Posten (siehe dafür jeweils Abschnitt «Material» bei jeder Postenbeschreibung).

  • Besprecht die Aktivität im Leitungsteam, damit alle sie verstehen und das Ziel kennen.

Detailprogramm

Zeit

Beschreibung

15 min

Die Spielleitung hat die Rolle «Gemeinderat». Sie erklärt eines dieser beiden Probleme:

Problem 1 (Neues Schulhaus): Das alte Schulhaus ist zu klein, schlecht isoliert und hat zu schlechte Fluchtwege, wenn es brennt. Lösung des Gemeinderats: Der Wald soll abgeholzt werden, um ein neues Schulhaus zu bauen. Das neue Schulhaus kostet 10 Millionen.

Problem 2 (Naturschutzgebiet): Der Wald ist immer mehr voll Abfall und es hat fast keine Wildtiere mehr, die da leben. Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist ausgestorben oder gefährdet. Lösung des Gemeinderats: Der Gemeinderat schlägt vor, den Wald in ein Naturschutzgebiet umzuwandeln, die Wege dürfen nicht mehr verlassen werden und keine Pflanzen gepflückt werden. Das soll auch mehr Tourist*innen anlocken.

Die Gruppe wird in gleich grosse Geländespielgruppen à 3-6 Personen aufgeteilt (mit dem Wort «Gruppe» ist im ganzen Dokument immer die Geländespielgruppe gemeint). In jeder Gruppe ist eine Leitperson dabei. Jede Gruppe erhält eines der folgenden Ziele. Ein Ziel kann an mehrere Gruppen vergeben werden. Es müssen nicht alle Ziele vergeben werden. Achtet darauf, dass die Ziele ausgeglichen sind:

Ziele bei Problem 1 (Neues Schulhaus):

  • Natur schützen

  • Einen schönen Pausenplatz haben

  • Guten Schulunterricht haben

  • Im Wald spielen können

  • Gemütliches Schulhaus haben

  • Dass die Gemeinde kein Geld ausgibt

  • Nicht mehr in die Schule gehen müssen

  • Viel lernen in der Schule

  • Viel Blödsinn machen können in der Schule

  • Ein Baumhaus bauen im Wald hinter der Schule

Ziele bei Problem 2 (Kein Fleisch am Mittagstisch):

  • Dass viele Tourist*innen kommen und in den Restaurants im Dorf essen

  • Bedrohte Pflanzen- und Tierarten schützen

  • Dass wenigeer Abfall im Wald liegt

  • Dass man im Wald frei spielen kann

  • Dass die Jugendorganisationen im Wald Aktivitäten machen können

  • Im Wald Beeren pflücken dürfen

  • Die Natur schützen

  • Dass der Wald und das Dorf nicht voll von Tourist*innen werden

10 min

Jede Gruppe überlegt, ob die Lösung für sie gut ist und wenn nicht, was dann gut wäre. In der Diskussion ist eine Leitperson dabei. Sie erklärt, dass es für demokratische Entscheide wichtig, ist, dass alle gleich fest mitreden können und schaut, dass alle zu Wort kommen.

Alle kommen zusammen. Jede Gruppe sagt ihre Meinung. Die Spielleitung erklärt, dass die Gruppen nun in einem Postenlauf Machtpunkte sammeln können, die ihnen später helfen, ihr Ziel zu erreichen. Nun geht das Spiel los.

35 min - 85 min

Machtpunkte Sammeln In den Geländespielgruppen machen alle Gruppen einen Postenlauf und sammeln dabei Machtpunkte. Jede Gruppe ist an einem Posten und wechselt nach 15 Minuten zum nächsten Posten.

Die Machtpunkte werden nach Bewertung der Postenleitung verteilt (z.B. 1-5 Punkte, abhängig davon, wie gut die Aufgabe umgesetzt ist). Je nach Anzahl Teilnehmende und Anzahl Leitende könnt ihr auswählen, wie viele der folgenden Posten ihr anbietet. Jeder Posten wird von einer Leitperson betreut:

Posten 1: Kampagne – Plakat gestalten
Es geht darum, ein möglichst ansprechendes, kreatives Plakat zu gestalten. Das Plakat soll irgendwie zum Thema des Spiels sein.

  • Demokratiebezug: Eigene Ideen ausdrücken, Werte sichtbar machen, kulturelle/persönliche Vielfalt würdigen

  • Material: Wasserfarbe, Stifte und grosse Papierbögen

Posten 2: Medien – Eine Fernsehshow machen
Die Fernsehshow soll irgendwie zum Thema des Spiels sein. Die Teilnehmenden üben sie ein und zeigen sie der Postenleitung vor.

  • Demokratiebezug: Gute Medien sind wichtig für Demokratie

  • Material: keines

Posten 3: Menschenrechts – Memory (Stafette)
Die Gruppen eine Menschenrechts-Memory-Stafette

  • Menschenrechtsmemory: Jedes Memorypaar ist ein Punkt der Menschenrechts-Charta. Eine Person rennt zu den Karten, deckt zwei auf, nimmt sie mit, wenn sie zueinander passen, rennt dann zurück und klatscht die nächste Person ab, die nun losrennt. Die Gruppe versucht, das Memory so schnell wie möglich gemeinsam zu lösen.

  • Demokratiebezug: Ohne Menschenrechte gibt es keine Demokratie und umgekehrt

  • Material: Menschenrechts-Memory von Amnesty International, Musikbox und Podcasts

Posten 4: Gemeinschaft und Zusammenhalt
Bei diesen Punkten gibt es mehr Punkte, wenn die Gruppen schneller sind (bzw. mehr Maiskörner gesammelt haben). Ihr könnt gewisse Spiele weglassen und / oder gewisse Spiele mehrmals spielen.

  • Blinde Wegführung: In 2er-Teams führt eine Person mit Worten die andere Person mit verbundenen Augen durch ein Waldstück/Parkour. Danach tauschen sie die Rollen.

  • Maiskörner sammeln: Eine Person führt mit Worten, die andere ist blind und versucht innert 30 Sekunden möglichst viele Maiskörner in einem Feld am Boden zu sammeln

  • Teamknoten: Alle stehen im Kreis, schliessen die Augen und greifen zwei fremde Hände. Die Postenleitung schaut, dass sie es sich nicht zu einfach machen. Danach: gemeinsam ohne Loslassen wieder entwirren.

  • Countdown: Die TN stehen in einem Kreis mit Blick nach aussen oder laufen unkoordiniert durch einen Raum / auf einer Wiese. Gemeinsam müssen sie von 20 auf 0 herunterzählen, ohne sich abzusprechen. Wenn zwei Personen gleichzeitig sprechen, muss die Gruppe von vorne beginnen.

  • Demokratiebezug: Vertrauen und Zusammenarbeit sind die Grundlage von demokratischem Zusammenleben.

  • Material: Maiskörner und Seil zum Abgrenzen des Feldes, Markierungen für blinde Wegführung

Posten 5: Umweltschutz Naturbild
Die Gruppe macht von möglichst vielen Pflanzen- und Tierarten, die sie im Umkreis von 10 Meter um den Posten finden eine kleine Zeichnung. Ziel ist, innert 12 Minuten möglichst viele erkennbare Zeichnungen zu machen. Variante: Bei Gruppen, die viel Wissen haben, kann verlangt werden, dass sie den richtigen Namen zur Pflanze dazuschreiben.

  • Demokratiebezug: Umwelt als gemeinsame Verantwortung und politisches Thema.

  • Material: Stifte und Papier

Posten 6: Zwergenwelt bauen
Die Gruppe baut eine möglichst tolle Zwergensiedlung aus am Boden liegenden Stecken, Blättern etc. Wichtig ist, dass sie dafür keine lebenden Pflanzen ab- oder ausreissen. Die Postenleitung bewertet die gebaute Siedlung jeder Gruppe.

  • Demokratiebezug: In der Demokratie wird die Welt gemeinsam von allen gestaltet

  • Material: keines

Posten 7: Werte
Die Postenleitung entscheidet, ob beide oder nur eine der Aktivitäten gemacht werden:
Werte-Theater: Eine Person zieht blind einen Wert (z. B. Ehrlichkeit, Frieden, Hilfsbereitschaft). Der gezogene Wert wird in einem Mini-Theater dargestellt. Die anderen können raten. Danach wird gewechselt, und eine andere Person spielt den nächsten Wert vor. Ziel ist, möglichst viele Begriffe in der begrenzten Zeit zu erraten. Achtung: Die Postenleitung muss gut schauen, dass sie nicht nur den lautesten Ratenden zuhört

Sportliche Alternative: Die Gruppe teilt sich in zwei Untergruppen auf, die gegeneinander antreten. Sie spielen Fussball, Ultimate Frisbee oder Ball über die Schnur. Es geht nicht um Punkte, sondern darum, möglichst fair zu spielen (alle haben mal den Ball, respektvoller Umgang, sich gegenseitig ermutigen etc.)

  • Demokratiebezug: Werteorientiertes Handeln, ethische Urteilsfähigkeit, respektvolle Diskussion.

  • Material: Wörter auf Zetteln fürs Werte-Theater (Ehrlichkeit, Frieden, Hilfsbereitschaft, Liebe, Treue, Verantwortung, Freude suchen, Umweltschutz, Andere verstehen, Respekt, Andere akzeptieren, Freundlichkeit, Gerechtigkeit, Zuversicht, Grosszügigkeit etc.) Sportliche Alternative: Sportspielgerät für Fussball, Volleyball oder Frisbee, etc., Feldabgrenzung (Absperrband, Flagge oder Ähnliches)

Posten 8: Singwettbewerb

  • Zwei Kinder gehen kurz weg. Die anderen wählen ein Lied aus, das möglichst alle kennen. Die zwei kommen zurück und die Gruppe singt die erste Minute davon vor. Zwei Personen aus der Gruppe singen nicht mit und versuchen, das Lied zu erraten. Egal ob sie es erraten oder nicht, gehen danach zwei neue von der Gruppe weg und es gibt ein neues Lied. Jedes erratene Lied gibt einen halben Punkt.

  • Demokratiebezug: Das Singen steht für die Vielfalt und Freiheit, die durch Demokratie möglich werden.

  • Material: 2 Liederbüchlein (oder alternativ: 2x Musikbox und Handy für Playback Musik)

15 - 60 min

Versammlung
Nach dem Postenlauf kommen alle Gruppen zusammen. Jede Gruppe sagt, wie viele Machtpunkte sie haben. Jede Gruppe wird durchnummeriert. Alle 1 bilden eine neue Versammlungsgruppe, ebenso alle 2, 3, etc. So entstehen durchmischte Versammlungsgruppen.

Jede Versammlungsgruppe diskutiert nun eine Lösung zum Problem. Dabei bringt jede Person die Ziele ihrer Gruppe ein. Die Versammlungsgruppe hat etwa 10-15 Minuten Zeit, um eine Lösung zu finden.

In jeder Gruppe ist eine Leitperson und schaut, dass alle zu Wort kommen. Auch hier ist die Regel, dass alle ähnlich viel und ähnlich oft reden sollen. Wenn die Diskussion stillsteht, kann die Leitungsperson versuchen, eine neue Idee einzubringen. Die Spielleitung kann die Diskussionen verlängern oder abbrechen, abhängig davon, wie stark die Versammlungsgruppen ins Gespräch verwickelt sind.

Sobald die Diskussion beendet ist, hat die Versammlungsgruppe eine Minute Zeit, sich auf eine Lösung zu einigen. Wenn sich die Gruppe nicht einigt, entscheidet die Mehrheit.

Nun wird über die Lösung jeder Versammlungsgruppe abgestimmt. Jede Geländespielgruppe stimmt als Gruppe ab und hat insgesamt so viele Stimmen wie sie Machtpunkte hat. Sie kann die Machtpunkte für oder gegen jede der vorgeschlagenen Lösungen einsetzen.

Beispiel für einen ausgefüllten Stimmzettel einer Geländespielgruppe, die 13 Machtpunkte hat:

image-20250828-140224.png

Wenn eine Lösung die Mehrheit der Stimmen erhält (Machtpunkte dafür minus Machtpunkte dagegen ist die Mehrheit aller Machtpunkte), ist sie gewählt. Das Spiel ist zu Ende. Gewinnt in dieser Runde keine Lösung, so wird die Versammlung wiederholt. Die Versammlungsgruppen schlagen also je eine neue Lösung vor und die Geländespielgruppen stimmen mit ihren Machtpunkten darüber ab. Die Gruppen behalten dabei ihre Machtpunkte. Vielleicht braucht es drei oder vier Versammlungen, bis eine Lösung gewinnt. Die Idee ist, dass in der ersten Versammlung noch keine Lösung eine Mehrheit erhält. Die Spielleitung kann das System ändern und den Anteil aller Machtpunkte erhöhen oder senken, die eine Lösung braucht, um angenommen zu werden (z.B. es braucht ein Drittel, statt die Hälfte).

Wenn eine Lösung gewinnt, ist das Spiel beendet. Ihr geht zur Besprechung.

10 min

Besprechung
Die Teilnehmenden gehen in den Versammlungsgruppen zusammen. Mit einer Leitperson bespricht jede Versammlungsgruppe das Geländespiel. Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Habt ihr gewonnen? Wieso denkst du, du hast (nicht) gewonnen?

  • Hat sich deine Meinung in einer Diskussion geändert?

  • Denkst du, die Lösung, für die am Schluss abgestimmt wurde, war eine Gute?

  • Was war schwierig im Spiel?

  • Denkst du, die Politik funktioniert ähnlich wie dieses Spiel? Wieso?

  • Wie waren die Diskussionen in der Gruppe und in der Versammlung für dich? Konntest du deine Meinung sagen? Hörten die anderen dir zu?

Folgende Punkte können in der Auswertung gesagt werden:

  • Verschiedene Menschen haben verschiedene Ansichten, das Reden darüber hilft, gute Lösungen zu finden

  • Demokratie ist sehr wertvoll für Menschenrechte, Freiheit und vieles, was unsere Gesellschaft ausmacht. Es braucht aber viel Einsatz, damit sie gut funktioniert.

  • Gute Lösungen sind schwierig zu finden. Je besser die Gruppen aufeinander eingehen, desto eher kann eine Lösung gefunden werden, die für alle gut ist.